News September 2002

Vortrag von Prof. Popp zum Thema
"Tierversuche / Biophotonik"

Man kann mit der Überlebensstatistik seit der Bronzezeit in die Problematik der Tierversuche einsteigen: Damals wurden die Menschen 15-18 Jahre alt, inzwischen ist dieses Alter auf gut 80 Jahre angestiegen. Die erfreuliche Lebenserwartung heute hängt sicher auch damit zusammen, daß wir immer besser erkannt haben, wie Krankheiten entstehen, z. B. im 19. Und im 20. Jahrhundert durch Entdeckung von Krankheitserregern wie Fremdstoffen, Bakterien, Viren usw. Die heutigen Arzneimittel verhüten weitgehend die Leben verkürzende Wirkung von Schädlingen. Die Statistik weist auch auf das wesentliche Motiv hin, das uns veranlaßt, Tierversuche zu machen. Die Lebenserwartung der Menschheit soll noch weiter verbessert werden.

Die Methode, der wir uns dabei bedienen, wurde am Ende des Mittelalters von DECARTES eingeführt. Die wissenschaftliche Aussage soll auf Elemente zurückgeführt werden, die widerlegbar sind und allgemein und umfassend verstanden werden können. Das hat letztlich unsere heutige Methodik in der Wissenschaft begründet, und das hat zu diesem erheblichen Aufschwung auch in der Lebensverlängerung geführt. Das hat auch das Tierexperiment veranlaßt, aus dem man mehr oder weniger wertvolle wissenschaftliche Schlüsse gezogen hat. Dieser Weg der Rationalität hat sich zweifellos auch Leben verlängernd ausgewirkt.

An dieser Stelle möchte ich auf etwas aufmerksam machen, was leider oft vergessen wird – das ist die Forderung Descartes΄, die Elemente, auf die das Problem zurückzuführen ist, umfassend zu verstehen. "Umfassend verstanden" heißt also nicht nur, die Resultate eines Experimentes vollständig aufzulisten, sondern es heißt vor allem, über die Resultate dieses Experimentes hinaus alles, was dazu gehört, mit in die Überlegungen einzubeziehen. Das "umfassend" ist ein ganz wichtiger Punkt, der gelegentlich nicht nur vernachlässigt, sondern sogar unterdrückt wird.

Was dieses "umfassend" bedeutet, möchte ich an einem Beispiel dokumentieren. Man kann sich sehr wohl "wissenschaftlich" verhalten, objektiv sein, alle Kriterien der Wissenschaft erfüllen und trotzdem kann die Methode, auf die man sich stützt, absolut irrational sein. Ein typisches Beispiel: Ich verlange eine Qualitätsanalyse, wenn man so will, über ein Gedicht von Goethe. Wie kann ich dieses Objekt wissenschaftlich analysieren? Nun, ein Verfahren, das hinreichend "wissenschaftlich" ist, könnte so aussehen: Man schickt das Gedicht an ein Institut, in diesem Fall im übertragenen Sinn an ein "Institut für Molekulare Poetik", und bittet um eine Analyse. Die einzig mögliche wissenschaftliche Aussage des Institutes lautet: Der Buchstabe A kommt viermal vor, B einmal usw. Das ist tatsächlich exakte Wissenschaft: die Analyse ist reproduzierbar, führt immer wieder zum gleichen Ergebnis, ist objektivierbar, auch wenn sie wenig über das aussagt, was wir eigentlich wissen wollen. Zwar handelt es sich hier um ein etwas überspitztes Beispiel, das aber durchaus immer auch reale Bedeutung hat, wenn wir uns auf den Unterschied zwischen "nicht umfassender" und "umfassender" Information nach DESCARTES besinnen. Erinnern Sie sich zum Beispiel einmal an die Problematik jener Arzneimittel, die das Lebensalter verlängern sollen.

Es gibt heute drei Theorien, die in gewisser Weise ähnlich sind. Sie sind Ergebnisse auch von Tierversuchen, nämlich der Beobachtung, daß letztlich Radikalreaktionen im Organismus Leben verkürzen. Die Konsequenz daraus ist die, daß man Radikalreaktionen zu unterbinden versucht und konsequenterweise eine kaum noch übersehbare Flut von Arzneimitteln entwickelt hat, die Radikalreaktionen verhindern. Bisher hat der seriöse "advocatus diaboli" (zu denen ich mich zähle) recht, wenn er zu bedenken gibt, daß diese Maßnahme ungefähr so zu bewerten ist, als wenn man richtiger Weise feststellt, daß mit zunehmendem Alter die Haare grau werden, und man darauf hin das Altern dadurch bekämpft, daß man die Haare wieder schwarz färbt. Das ist eine der Konsequenzen aus eben einem solchen Versuch, wissenschaftlich sehr wohl begründete Resultate ohne umfassende Grundlage umzusetzen.

Wie weit das führen kann und wie tief das in das Schicksal der Bevölkerung eingreifen kann, sehen Sie zum Beispiel auch an einer Statistik, die in den USA kürzlich über die Todesrate bei Krebs erschienen ist. Dort hat man von 1990 bis 2000 etwa 20 Prozent mehr Mittel für die Krebsforschung ausgegeben als 10 Jahre vorher. Sie wissen, gerade in der Krebsforschung werden enorme Summen in Tierversuche investiert. Die traurigen Fakten dokumentierten anstatt der erwarteten Verminderung eine deutliche Erhöhung der Todesrate der Bevölkerung bei nahezu allen Krebsarten um zehn Prozent.

Mit anderen Worten: Diese wissenschaftliche Methode, zu der uns DECARTES aufgerufen hat, führt im Fall, daß wir seinen wichtigen Hinweis auf die Zusammenhänge übersehen, gelegentlich genau in das Gegenteil dessen, was man eigentlich erwartet oder anstrebt.

Wir haben natürlich weder Anlaß, daran zu glauben, daß sich die Situation radikal verändert, wenn wir nun umgekehrt Tierversuche abschaffen, noch sollten wir anstreben, über solche Ersatzmöglichkeiten nachzudenken, die uns das Nachdenken selbst ersparen. Es ist und bleibt für immer wichtig, daß wir unseren gesunden Menschenverstand nicht durch formale Anwendung wissenschaftlicher Methoden blockieren lassen.

Nun, um zum Thema vorzudringen: Warum machen wir Tierversuche? Was ist das Ziel? Und welche Probleme ergeben sich dabei?

Das Ziel der Tierversuche ist im allgemeinsten Sinne - und dieses Ziel ist anzuerkennen - , Erkenntnisse zu gewinnen, die dem Menschen einen Vorteil bringen. Ich glaube nicht, daß es Wissenschaftler gibt oder Industriefirmen, die Tierversuche machen, um Tiere zu quälen. Die Bedenken gegen Tierversuche sind anderer und vielfacher Art: Zunächst gibt es ethische Bedenken, auf die ich jetzt nicht eingehen möchte, die aber mit Sicherheit von allen, die sich an Tierversuchen beteiligen, getragen werden. Es gibt den Tierschutz, wie Sie wissen, der Tierversuchen mindestens zum Teil widerspricht. Es gibt die unbeantwortete Frage, die ich gerade eingangs auch stellte: Ist der Erkenntnisgewinn durch die Tierversuche wirklich auch hinreichend? Gewinnen wir wirklich genügend Erkenntnisse, um Tierversuche allein eben dieser Erkenntnisse wegen, die wir uns erhoffen, rechtfertigen zu können?

Fragwürdig bleibt , ob die zerstörerischen Eingriffe bei diesen Tierversuchen überhaupt grundsätzlich zu einem Informationsgewinn über "Leben" führen können. Die meisten Versuche werden ja nicht am lebenden Tier, sondern an toten Biosubstanzen und in außerordentlich unwahrscheinlichen Situationen gewonnen. Man könnte die Hypothese aufstellen, die Erkenntnisse aus Tierversuchen reichen nie hin für Maßnahmen, die später für den Menschen daraus ergriffen werden. Die Skandale, die aus der Mißachtung dieses Einwandes resultierten, sind in lebhafter Erinnerung.

Es gibt weitere Schwierigkeiten beim Einsatz von Tierversuchen. Dem Eingriff am Menschen ähnlichste Wirkungen sind nur bei Tieren zu erwarten, die dem Menschen auch am ähnlichsten sind. Man kann nicht ohne Einschränkung erwarten, daß am Regenwurm die gleichen Ergebnisse erhalten werden wie am Affen, der dem Menschen nun einmal ähnlicher ist. Mit anderen Worten: Diese Tatsache zwingt uns in gewisser Weise, Versuche immer auch bei höheren Lebewesen zu machen und nicht ausschließlich auf die zelluläre Ebene zu verlagern. Dann scheiden natürlich auch Menschenversuche nicht aus, obwohl sie – das muß ich dazu sagen – grundsätzlich eben gerade dann ehrlicher Weise gar nicht abzulehnen sind, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß Tierversuche uneingeschränkt durchgeführt werden sollten. Ich bezweifle, daß eine Trennungslinie zwischen Mensch und Tier im Prinzip überhaupt sicher gezogen werden kann. Abgesehen von den wissenschaftlichen Auswertungen kommt hier auch ein übergeordnetes Merkmal hinzu: Aus seinem Verhalten dem Tier gegenüber kann recht zuverlässig geschlossen werden, wie jemand mit Menschen umgeht.

In berechtigter Weise wenden Tierversuchsbefürworter allerdings auch ein: Wir haben in den Tierexperimenten, die wir über Jahrzehnte hinweg durchgeführt haben, so viele Erfahrungen gesammelt, daß die Tierversuche eben gerade deshalb heute eingeschränkt werden können. Warum sollen wir jetzt plötzlich auf Methoden umsteigen, von denen man ja zunächst überhaupt nichts weiß?! Es wäre doch unrealistisch, zu Alternativen überzugehen, nachdem über Jahrzehnte hinweg Erkenntnisse gewonnen wurden, die unverzichtbar auch für die weitere Entwicklung sind. Schließlich müssen Arzneimittelfirmen, die wirtschaftlich haushalten wollen, Tierversuche auf das Notwendigste beschränken, wobei man natürlich darüber streiten kann, was das Notwendigste ist. Tierversuche – das wird auch immer zu Recht eingewandt – minimieren den Forschungsbedarf, und wie gesagt, es liegen auch nicht genügend Erfahrungen bei Alternativmethoden vor, um Tierversuche ersatzlos zu streichen.

Was aber sind die zu erwartenden Fortschritte, wenn man notwendiger Weise nicht in "Entweder-Oder"-Kategorien, sondern in "Sowohl-Als Auch" Kategorien zu denken gezwungen ist? Welche Fortschritte kann man erwarten, wenn man parallel zu Tierversuchen andere "ganzheitliche und nicht-invasive" Methoden einsetzt?

Man kann mit neuen Verfahren selbstverständlich auch neue Erfahrungen sammeln, man kann Zusammenhänge erkennen zwischen externen Einflüssen und physio-logischen Parametern. Man kann eventuell wesentlich tiefer einsteigen in die Ergebnisse, die man aus Tierversuchen erhält, man kann "umfassende" Kenntnisse im Sinne DESCARTES gewinnen. Man kann erkennen, welche elementaren Mechanismen diesen Resultaten zugrunde liegen, so daß man unter Umständen auf diese Weise eben einiges mehr über Leben erfährt. Man dringt genau zu den Motiven vor, die Tierversuche auslösen. Sie verlangen eine Entscheidung zwischen dem berechtigten Wunsch, dem Menschen helfen zu wollen, und der ebenso berechtigten Hemmung, Tiere zu quälen. Wenn man in einem vorläufigen Kompromiß Tierversuche durch Parallelmethoden zunächst nur ergänzt, dann könnte man neue nicht-invasive Verfahren am Menschen selbst einsetzen und Tierversuche nicht nur erheblich reduzieren, sondern in einer Vielzahl von Fällen auf Dauer sogar vollständig ersetzen. Ich denke hier zum Beispiel an die Kosmetik, wo wir bereits zu erheblichen Fortschritten in der Einschränkung oder dem Ersatz von Tierversuchen beigetragen haben, zum Beispiel bei Beiersdorf in Hamburg unter der Leitung von Prof. Hoppe..

Nun, welche Bedingungen sind an Verfahren zu stellen, die Tierversuche ersetzen könnten? Das ist eine wichtige Frage, und ich muß dazu sagen, daß es bereits eine Vielfalt von nicht-invasiven Ersatzmethoden gibt, die gelegentlich auch eingesetzt werden. Als solche kommen natürlich alle nicht-invasiven Analysemethoden in Frage, auch die ordinären Analysemethoden wie Messung des Blutdrucks, Messung des EEG, Messung der ESR und NSR, Messung der MEG. Auch die Infrarotdiagnostik ist heute in einem Stadium, wo man sie ersatzweise für Tierversuche einsetzen kann. Das Infrarotbild des Menschen, das heute auf ein Zehntel Grad genau zu messen ist, kann durchaus vielfach auch Tierversuche ersetzen.

Die verschiedenen Methoden sind allerdings meistens unspezifisch, wie diese gerade genannten Methoden. Auch wenn sie nichts genaues über den Wirkmechanismus aussagen, so sind sie doch vor allem auch verwendbar, um spezifische Methoden einzuschränken. Beispiel: Toxische Stoffe wurden in Basel versehentlich in den Rhein eingeleitet. Das wurde deshalb nicht vorzeitig erkannt, weil die Detektorsysteme auf diese Stoffe nicht eingestellt waren, und die Frühwarnung deshalb ausblieb. Hätte man in diesem Fall eine unspezifische Methode eingesetzt, die immer dann etwas anzeigt, wenn sich die Qualität des Wassers verändert, hätte man die Katastrophe verhindern können. Aus diesem Grunde ist es immer sinnvoll, unspezifische Methoden vor spezifische Methoden zu setzen, gleichgültig, um welche Untersuchungen es auch immer geht. Sie sorgen dafür, daß eine effektive Vorauswahl jener Versuche stattfindet, die man einsparen kann, und sie erlauben, gezielt jene Fälle herauszugreifen, die wirklich zu einem brauchbaren Erkenntnisgewinn führen könnten. Das vermißt man leider sehr oft, diese Parole "Umfassender wäre effektiver" scheint sich bis heute nicht eingebürgert zu haben, obwohl sie von DESCARTES , dem Begründer moderner Wissenschaft, ausdrücklich eingefordert wurde.

Für alle Beteiligten am günstigsten ist es deshalb, wenn man Tierversuche dadurch auf Dauer reduziert, daß man unspezifische und spezifische Methoden miteinander koppelt, oder, noch besser, wenn man Methoden einsetzt, die sowohl unspezifisch als auch spezifisch sein können, die nicht invasiv sind und die ethische Bedenken überhaupt nicht auch nur aufwerfen, und die ähnlich viel Informationen liefern wie es die Tierversuche selbst tun könnten.

Eine solche Methode ist die Biophotonik, über die ich Ihnen kurz etwas erzählen möchte – jetzt nicht in die Tiefe gehend, sondern nur beispielhaft – im Hinblick auf die Möglichkeit, Tierversuche wenigstens teilweise zu ersetzen. Ich beginne mit einem Problem, das Sie alle kennen, das sehr elementar ist, das aber offiziell von der heutigen Wissenschaft noch gar nicht gelöst ist. Dessen Lösung erklärt aber bereits, was Biophotonik eigentlich ist und welche Erkenntnisse wir gewinnen können. Sie kennen alle zum Beispiel die mitotischen Figuren: Wenn sich eine Zelle teilt, werden die Zellbestandteile in zwei gleiche Haufen getrennt, wobei – und das ist das bisher als ungelöst betrachtete Problem – die Moleküle exakt in zwei gleichen Teilen auf die beiden Tochterzellen verteilt werden. Es entsteht dabei kein Fehler. Der statistische Fehler müßte die Wurzel der beteiligten Moleküle sein, also mindestens 100000 Moleküle müßten in die falsche Richtung laufen, aber interessanter Weise geschieht das im allgemeinen völlig fehlerlos. Schon SCHRÖDINGER, der den Nobelpreis für Quantentheorie bekam, hat gefragt: Was ist das Geheimnis dieser Fehlerlosigkeit? Nun, wenn wir diese Perfektion verstehen, die, wie gesagt, bis heute völlig ungeklärt ist, dann verstehen wir vom Leben grundsätzlich etwas ganz Wichtiges und Neues, und diese Neuigkeit kann uns unter Umständen davor bewahren, Versuche zu machen, die gar nicht nötig sind oder Erkenntnisse zu verleugnen, die wir benötigen, um unter Umständen eben auch Tierversuche einzusparen.

Das Geheimnis dieser Fehlerlosigkeit bei der mitotischen Teilung ist im Grunde genommen einfach – es ist ein physikalisches Problem. Die Antwort lautet: Es gibt in der Zelle Wechselwirkungskräfte, die die einzelnen Moleküle dirigieren, die den Molekülen sagen, wo sie hinzugehen haben, die jedes Molekül "in die Hand nehmen" und ihm sagen: Du mußt dahin laufen und du mußt dorthin laufen. Solche Kräfte müssen vorhanden sein, auch wenn man sie nicht direkt messen kann. Wenn ich zum Beispiel Eisenfeilspäne in einem geordneten Muster sehe, dann muß irgendwo zum Beispiel ein Magnetfeld in der Nähe sein, das das Metallpulver ordnet. Ähnlich ist es hier und es ist gar nicht sehr schwierig, diese Kräfte ausfindig zu machen. Man braucht nur die Randbedingungen einer Zelle vorauszusetzen, man pumpt elektromagnetische Energie hinein und schon wird, wie bei einer Pfeife, ein bestimmtes Muster einer Hohlraumresonatorwelle entstehen. Das Muster entspricht – wie sich eindrucksvoll zeigt - exakt der mitotischen Figur: Mit anderen Worten Wir haben genau die Kraftverteilung gefunden, die notwendig ist, um die einzelnen Moleküle richtig zu organisieren.

Diese Kraftverteilung kann man genau berechnen; da benötigt man nur ein altes Physikbuch. Dort wird gezeigt, wie man solche Kräfte ausrechnet, welche elektromagnetischen Wellen sich in der gegebenen Zelle anhäufen. Die speziellen Wellen bestimmter Frequenzen häufen sich schon deshalb an, weil eben nur solche Wellen in dieser Zelle stabil sind, genau so wie das bei bestimmten Tönen der Fall ist, die in einer bestimmten Pfeife stabil sind. Für die Zellen kann man auf diese Weise in Abhängigkeit von Große und Form alle passenden Frequenzkompositionen ausrechnen. Man findet solche Wellen mindestens zwischen 300 bis 800 Nanometer. Sie bauen die Feldkonfigurationen auf, die die bekannte Vielfalt mitotischer Figuren während der ganzen Zellteilung als Führungskräfte steuern und organisieren. Wenn diese elektromagnetischen Felder in den Zellen vorhanden sind, dann gibt es natürlich auch Möglichkeiten, sie zu messen. Innerhalb der Zellen kann ich sie allerdings nicht erfassen, weil die Dimension einer Zelle sehr viel kleiner ist als die Größe der Detektorsysteme, über die wir verfügen können, um solche Felder zu messen. Also muß ich sie außerhalb der Zellen messen: Ich nehme also einen Detektor, lege ihn vor die Zellen und prüfe nach, ob solche Wellen auch wirklich dann früher oder später emittiert werden. Weil ich weiß, wie diese Felder angeordnet sind, weil wir wissen, wie die Zellen aussehen, kann man auch vorhersagen, in welcher Häufigkeit, mit welcher Statistik, in welchem Frequenzbereich diese Photonen dann aus den Zellen austreten.

Eine solche Apparatur haben wir 1972 an der Universität in Marburg gebaut. Wir bringen das Objekt in einen Dunkelraum und messen dann die Photonenemission von 300 bis 800 Nanometer mit Hilfe des empfindlichsten Photomultipliers, der verfügbar ist. Man findet eine vollständige Übereinstimmung zwischen der Intensität, dem Spektrum und der Häufigkeitsverteilung der Photonen und den Mustern all dieser Hohlraumresonatorwellen, die man sich in den Zellen vorstellen kann. Das hat nicht nur physikalische, sondern auch auch biologische Auswirkungen. Wenn ein solches Feld zusammenbricht, wenn es chaotisch wird, dann funktioniert auch die Zellteilung nicht mehr. Ich kann Rückschlüsse auf biologische Prozesse wie das Zellwachstum ziehen. Wir wissen deshalb auch inzwischen, wie die Zellen miteinander kommunizieren; wir wissen, wie diese Felder verwendet werden, um das Wachstum zu steuern, um bestimmte Einflüsse, die von außen auf die Zelle einwirken, zu kompensieren.

...

Wir nennen diese Lichtwellen Biophotonen. Wir wissen, daß es eine extrem schwache Lichtemission ist; wir kennen die Intensitäten; wir wissen, daß es ein kontinuierliches Licht mit einer kontinuierlichen Spektralverteilung ist; wir wissen, daß es diskret auch nicht sein kann; wir wissen, daß es mit der DNA in Verbindung zu bringen ist; wir wissen – und das ist das ganz Entscheidende –, daß dieses Feld kohärent ist, daß es also in der Lage ist, Interferenzen aufzubauen, so daß es wie zum Beispiel bei den mitotischen Figuren ein Führungsfeld aufbaut, das nicht lokal, sondern ganzheitlich auf die Zelle einwirkt. Wenn ich ein solches Kraftfeld aus elektrischen und magnetischen Komponenten an irgendeiner Stelle verändere, dann verändere ich das gesamte Muster in der Zelle. Wir haben also ein ganzheitliches Phänomen vor uns, das mehr über die Biologie der Zelle sagt als wenn von einem Gen zum anderen übergeht und sich bemüht, aus einzelnen Buchstaben ein Gedicht zu verstehen.

Man bekommt auf diese Weise auch ein anderes Weltbild, von dem ausgehend neue Erkenntnisse gewonnen werden, die mit der Realität wesentlich besser übereinstimmen als die eines veralteten Weltbilds, das davon ausgeht, daß einzelne Gene darüber verfügen, wie sich ein Mensch zu verhalten hat. Die Erfahrungen, die man in den letzten 20 Jahren machen mußte, sprechen eine deutliche Sprache. Ein Beispiel: Nur wenige Prozent der DNA sind überhaupt genetisch aktiv, 98 Prozent [zu prüfender Einwand eines Seminarteilnehmers: etwa 70 Prozent] dieses 2 Meter langen Fadens in der Zelle erfüllen eine Funktion, die für die Molekularbiologen völlig rätselhaft ist. Die Konsequenz, die man daraus gezogen hat, war, daß diese 98 Prozent völlig "überflüssig" sind – man sprach von "selfish" (eigennütziger) DNA. Natürlich ist die DNA nicht zum größten Teil überflüssig, das kann sich heute jeder denken. Aber Sie wissen, es hat Zeiten gegeben, in denen das in seriösen Lehrbüchern so postuliert worden ist. Es ändert qualitativ aber eigentlich wenig an dem, was ich sage. Man hat schließlich einen Ausweg gefunden, indem man mit Blick auf unsere Gesellschaft glaubte, die 98 % seien vergleichbar mit der Überbürokratisierung in unserer Gesellschaft. Sie erfüllten Organisationsaufgaben. Das muß nicht ganz falsch sein, vorausgesetzt, wenn wir zusätzlich die Kommunikation – die von elementarer Bedeutung ist – hinzufügen.

Die Methode, die aus der Entdeckung der "Biophotonen" resultiert, besteht in der Messung dieses äußerst schwachen Lichtstromes aus Organismen unter definierten experimentellen Bedingungen. Das ist absolut nichts Esoterisches, sondern einfach die Fortsetzung bereits bekannter Techniken. Heute werden in jedem Labor Luminiszenztechniken eingesetzt, so zum Beispiel Fluoreszenz und Phosphoreszenz. Das Objekt wird belichtet, und man nimmt innerhalb von Nanosekunden bis Millisekunden die zurück gestrahlte Lichtintensität in den verschiedenen Wellenlängenbereichen auf. Dann kann man erkennen, welche Inhaltsstoffe vorhanden sind oder welche Transportphänome auch im betrachteten Objekt, zum Beispiel in einer Zelle, ablaufen.

Wenn ich diese Methode der Biophotonik hinzufüge, dann muß ich die bekannten Techniken in zwei Punkten abwandeln: Nicht bei hohen Intensitäten in der Größenordnung von Watt, sondern bei zirka 10-17 Watt müssen die Signale zu messen sein. Das entspricht dem Nachweis einer Kerzenflamme aus 20 Kilometern Entfernung. Ich muß die Sensitivität des Systems bis an die Grenze des Machbaren erhöhen. Zweitens muß ich die Zeit, in der ich das Rückleuchten nach Anregung aufnehme, von Nanosekunden bis auf Sekunden oder sogar Stunden ausdehnen, so daß dann, wenn ich das System belichte, noch lange Zeit das Abklingen des Lichtstroms aufgenommen und analysiert werden kann. Aus den Abklingkurven ("verzögerte Lumineszenz") erkenne ich zwar nicht mehr die Inhaltsstoffe – diese Information geht dabei völlig verloren –, sondern ich erhalte wertvolle Informationen über die Organisation, die Struktur; und ich vermag aus der Spontanemission, die nur lebende Organismen abgeben, Informationen zu entnehmen, die über die Qualität des lebenden Objekts im weitesten Sinne wichtige neue Aussagen zulassen.

Da bin ich an einem Punkt, der auch letztlich ein völlig neues Weltbild der Biologie erfordert und demzufolge auch grundlegende Bedeutung für die Tierversuchsproblematik gewinnt. Ich erkenne durch dieses neue Fenster der Biophotonik Krankheit nicht mehr an den Inhaltsstoffen oder Veränderungen von Inhaltsstoffen, sondern Krankheit wird verständlich als Organisationsproblem des Lebewesens. Ich erkenne so entscheidende Merkmale, die geläufige Tierversuche vorenthalten.

Ich will Ihnen ein Beispiel vortragen: Mit der Versuchsanstalt in Celle, die für Tiererhaltung in Deutschland zuständig ist, suchten wir nach Unterschieden zwischen Freiland-Eiern und Batterie-Eiern; die bei gleicher Fütterung gleicher Tiere konsequenter Weise die gleichen Inhaltsstoffe aufwiesen. Über die Dauer eines Jahr erhielten wir jede Woche Eier, wobei von den gleichen Hühnern die eine Hälfte ins Freie durfte, wann immer sie wollte, allerdings auf Sand, um das gleiche Futter zu fressen wie die andere Hälfte, die im Käfig lebte. Schon vom 7. Tag der unterschiedlichen Haltungsweise waren signifikante Unterschiede in der Biophotonenemission der Eier nachzuweisen. Im Laufe der Zeit verstärkten sich die Unterschiede bis um das Dreifache. Sie wissen, daß viele Hausfrauen auf Freiland-Eier schwören. Sie sagen, sie könnten Unterschiede geschmacklich bestätigen. Wir haben aus den Messungen auch Kriterien über die Kohärenz der Biophotonen gewonnen, also darüber, wie gut dieses Licht in der Lage ist, Muster zu bilden, wie es eben zum Beispiel bei der Zellteilung erforderlich ist. Es stellte sich heraus, daß die Fähigkeit der Musterbildung für die Freiland-Eier in Abhängigkeit vom Sonneneinfluß anstieg, während die für die Batterie-Eier während der ganzen Zeit gleich blieb.

Das bestätigt, was SCHRÖDINGER gesagt hat. Wir dürfen die Einflüsse, die auf das Lebewesen wirken, nicht rein energetisch beurteilen, sondern sind gehalten, primär nach dem Kriterium zu suchen, ob und in welchem Maße sie die Organisation im System stabilisieren oder zerstören. Diese auf SCHRÖDINGER zurückgehende Betrachtung, die leider viel zu wenig beachtet wird, sich aber mit Sicherheit auf Dauer durchsetzt, läuft nicht etwa auf eine Verletzung des zweiten Hauptsatzes der Wärmelehre hinaus, sondern erklärt die Lebendigkeit als die Eigenschaft bzw. Fähigkeit, aus der Umgebung, zum Beispiel durch Nahrungsaufnahme oder durch Arzneimittel oder was immer auch, Signale aufzunehmen, um Strukturen und Organisation aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Für solche Strukturen sorgen eben die Kohärenzeigenschaften der Lichtwellen. Die Strukturelemente kann man nicht an den Inhaltsstoffen erkennen. Die Biophotonik aber liefert eine Möglichkeit, über Struktur- und Entropiebetrachtungen jene Merkmale zu erkennen, die für die Beurteilung der Einflüsse auf lebende Systemen von elementarer Bedeutung sind. Das geht von der einzelnen Zelle bis hin zum Menschen.

Nur noch ein paar Beispiele, an denen ich das dokumentieren kann: Wir verwenden zum Beispiel einzellige Algen (Acetabularia), die gut reproduzierbare Ergebnisse liefern. Wir messen ihre Lichtintensität, und Sie erkennen, daß wir in der Lage sind, zwischen Leben und Tod zu unterscheiden – das können übliche Tierversuche nicht leisten. Über Oszillationen der verzögerten Lumineszenz können wir heute beschreiben, ob und wie die einzelne Zelle organisiert ist, ob sie einen Stoff als Gift oder als Lebensmittel identifiziert. Das läßt sich alles aus einem einfachen Zellversuch schließen, und es stellt sich oft heraus, daß zwischen Einzellern und den komplexen Organismen in der Biopotonen-Reaktion kein grundsätzlicher Unterschied besteht. Ein anderes Beispiel ist der Mensch selbst: Gesunde Menschen zeichnen sich durch symmetrische Photonenfelder geringer Intensität und biologischer Rhythmik aus. Sobald sich die Symmetrieverhältnisse, die Intensitäten oder die Rhythmik verändern, egal an welchen Punkten, kann man auf wichtige Veränderungen oder Erkrankungen schließen.

Die Biophotonik erkennt Merkmale, die vorher nicht gesehen wurden. In einfachster Weise lassen sich neue nicht-toxische Medikamente, die richtige Dosierung zum richtigen Zeitpunkten individuell austesten, ohne daß ein einziges Tier geopfert werden muß.

Ich könnte diese Reihe von Beispielen beliebig fortsetzen, möchte es aber nicht bei bloßen Eindrücken belassen, sondern eine vernünftige, rationale Entwicklung vorschlagen, die es erlaubt, Tierversuche ohne den Verlust an Erkenntnissen einzuschränken. Wir kommen sicher nicht weiter, wenn man publikumswirksam Preise für Wissenschaftler ausschreibt, die Methoden für den Ersatz von Tierversuchen entwickeln. Warum funktioniert das nicht? Weil Wissenschaftler, die neue Möglichkeiten erkennen könnten, aber in der Regel nicht im Alltag der Tierversuche heimisch sind, an der Realität vorbei forschen. Andrerseits funktioniert auch nicht, wenn die Industrieunternehmen, die Produkte entwickeln, aufgefordert werden, alternative Methoden einzusetzen. Hierzu fehlen ihnen eben jene Wissenschaftler, die das know-how dafür im allgemeinen an anderer Stelle entwickelt haben.

Wir kommen dann – und nur dann – weiter, wenn wir beide Gruppen zusammenbringen. Sie müssen aber ihre Unabhängigkeit behalten , und das läßt sich dadurch erreichen, daß der Staat zum Beispiel einem Industrieunternehmen, das gewillt ist, Tierversuche einzuschränken, zu seinem eigenen Vorteil unter die Arme greift mit der Auflage, alternative Verfahren parallel einzusetzen. Dann, bei der Zulassung dieser Mittel, sollten die Ergebnisse beider Seiten – die der konventionellen und die der Ersatzmethoden – ausgearbeitet, berücksichtigt und miteinander verglichen werden.

Bei einem Vergleich der Methoden wird dann erkannt werden, bis zu welchem Ausmaß Tierversuche durch die alternativen Methoden ersetzbar sind, welche neuen Erkenntnisse oder welche weiteren Erkenntnisse durch die Alternativmethoden gewonnen worden sind. Es wird sich herausstellen, ob ein solcher Aufwand überhaupt sinnvoll ist, es wird herauskommen, ob der ganze Entwicklungsprozeß durch solche Verfahren verkürzt worden ist oder ob er nur Ballast war. Man sollte dann bei der Zulassung der Arzneimittel mit berücksichtigen, ob und wie die verschiedenen Verfahren miteinander harmonieren, und ob sie eventuell zu gegensätzlichen Konsequenzen führen. Man sollte die Möglichkeit der Paralleluntersuchung nutzen, um aus der Symbiose beider Richtungen optimierte Erkenntnisse zu gewinnen mit dem Ziel, Tierquälerei jeder Art schließlich ohne Verlust wichtiger Erkenntnisse abzuschaffen. Diskussionen, die ich mit führenden Wissenschaftlern der Industrie über diesen Vorschlag führte, bestärkten mich in dieser Ansicht.