In einer Gesellschaft, die nur aus Totengräbern und Bürokraten bestünde, müßten sich die Menschen gegenseitig totschlagen, um wirtschaftlich überleben zu können.
So ähnlich sind die Ursachen zu verstehen, die den sogenannten Super-GAU der Landwirtschaft, den BSE-Skandal auslösten.
Der mit Subventionen seit Jahrzehnten entwürdigte Landwirt, aus existentiellen Gründen gezwungen, Überflüsse zu produzieren, muß zwangsläufig minderwertige Qualität erzeugen und dabei den Verbraucher gesundheitlich gefährden. Der Politiker, auf das Vertrauen des Konsumenten angewiesen, muß im Schaukelspiel zwischen Beschwichtigung und Schuldzuweisung die Kontrollen verstärken, sobald die Schädigung nicht mehr zu bestreiten ist, um sich nicht dem Vorwurf der Untätigkeit auszusetzen. Damit erhöht er gleichzeitig das Heer der Bürokraten, die nichts zum Sozialprodukt beitragen. Im Geleit schluckt die Progaganda, die die politische Führung mit wachsender Unglaubwürdigkeit intensivieren muß, immer höhere Kosten.
Der gesundheitlich angeschlagene, wirtschaftlich ausgedünnte, desinformierte und verunsicherte Konsument muß wohl oder übel auf Billigware zurückgreifen, um in diesem Szenario überleben zu können. Damit schließt sich der Kreis - einer von vielen, die - ähnlicher Rückkopplung ausgesetzt - die Vitalität und Evolutionsfähigkeit der Gesellschaft langsam aber sicher zum Erliegen bringen.
Der BSE-Skandal kann nicht einzelnen Faktoren angelastet werden, so auch nicht allein auf wirtschaftliche Interessen zurückgeführt werden, wie sie die zurückgetretene Gesundsheitsministerin Fischer am Ende ihrer Karriere benannte - warum eigentlich nicht vorher? Es gab, gibt und wird auch in Zukunft wirtschaftliche Interessen geben. Sie können, richtig kanalisiert und eingesetzt, sogar Motor des gesellschaftlichen Fortschritts werden.
Bei dem bestehenden Übermaß an Undurchschaubarkeit kann das Problem auch nicht einzelnen Persönlichkeiten zugeschoben werden, da keiner die Macht hat, in einem Netzwerk sich gegenseitig fesselnder Trägheitskräfte einen Befreiungsschlag auszuführen. Überdies kann verantwortlichen Politikern bei der Komplexität der Probleme nicht mehr zugemutet werden, genau zu wissen, wo der Ausweg zu finden ist, und wie er denn auch beschritten werden muß. Die Schuld einzelnen Personen in die Schuhe zu schieben ist unredlich und geht an einer seriösen Analyse vorbei.
Das Problem liegt auch tiefer als in der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Parallelen auf allen Ebenen sind ja nicht mehr zu übersehen: Umweltschäden, Intransparenz der Situation in Krisenregionen, die Ungewissheiten in der Benutzung technischer Geräte - wie Handy`s, Radaranlagen bis zur gesunden Verteidigung" - , die gelegentlich an Lotteriespiele erinnernde Rechtsunsicherheit in juristischen Verfahren, die drohende Bevölkerungsimplosion, neue und in der Ursachenforschung umstrittene Volkskrankheiten, Chaos in der Gesundheits- und Rentenversorgung, und nicht zuletzt geschmacklose, bis an die Grenzen der Erträglichkeit geistlose, stillose und verlogene Vorführungen eines Polittheaters, das den Vertrauensverlust der Jugend und den Extremismus geradezu heraufbeschwört und zweifellos mit-verursacht. Das Abhören der Bevölkerung, immer neue Kontrollen, Verbote und finanzielle Belastungen des kreativen Teils der Bevölkerung werden sich nach Adam Riese erneut als Schritte in die falsche Richtung erweisen.
Dieser eine, durch die BSE-Krise ausgelöste Skandal, dieser - wie gesagt - nicht als isoliert zu betrachtende Fall der Lebensmittelkrise, hat dennoch die größte Bedeutsamkeit für das Wachrütteln der Gesellschaft, da die Grundversorgung, und damit die wichtigste Quelle der Entwicklung betroffen ist.
Das Büchlein Die Botschaft der Nahrung" über ein neues Verständnis der Lebensmittel liefert keine Garantie dafür, die Wurzeln des Dilemmas vollständig erkannt und die einzig richtige Lösung gefunden zu haben. Es zeigt aber am Beispiel der Qualität auf, daß auch - und möglicherweise sogar vor allem - der Zusammenhang zwischen der evolutiven Kraft unserer Nahrung und der Überlebensfähigkeit der Bevölkerung eine Schlüsselrolle spielt, um falschen Entscheidungen auszuweichen (wenngleich damit noch nicht die richtigen Maßnahmen vorprogrammiert sind). Um von vornherein den Vorwurf zu entkräften, daß hier ein Physiker - und nicht ein Lebensmittelexperte - zu Wort kommt, sei darauf hingewiesen, daß die an den Schaltstellen der Lebensmittel-Industrie tätigen wissenschaftlichen Experten in den eben erwähnten Regelkreisen verankert sind und nur schwer gegen die wirtschaftlichen Interessen ihrer Konzerne, Bio-Verbände oder staatlichen Arbeitgeber verstoßen können, ohne Kopf und Kragen zu riskieren. Dieser Gefahr konnte sich natürlich auch der Autor dieses Büchleins nicht ganz entziehen. Es besteht jedoch eine echte Chance, aus der Sicht eines Verbrauchers, der natürlich berechtigt ist, über die Lebensmittelqualität nachzudenken, eine wert-neutrale Haltung einzunehmen. Der Autor, der sich seit einigen Jahren mit der Lebensmittelqualität auch wissenschaftlich befaßt, hat demzufolge vergleichsweise gute Voraussetzungen, Neues zum Thema beizutragen, ohne ein ernsthaftes Risiko einzugehen und dennoch ein solches darzustellen!